2. E-Procurement Strategie [1]

2.1 Initiierungsphase  

2.2 Analysephase

    2.2.1 Interne Analysen

        2.2.1.1 Portfolioanalyse  

        2.2.1.2 IT-Analyse

        2.2.1.3 Prozessanalyse

        2.2.1.4 Analyse der Lieferantenbeziehungen

    2.2.2 Externe Analyse

        2.2.2.1 Beschaffungsmarktanalyse

 

Die E-Procurement Strategie bildet einen zentralen Baustein der E-Business Strategie eines Unternehmens. Sie sichert ein zielgerichtetes, koordiniertes Vorgehen bei der Analyse, Planung und Umsetzung von E-Procurement Aktivitäten und führt des weiteren dazu, sich nicht wie bisher primär auf technologische Fragestellungen sondern auf Wirtschaftlichkeitsaspekte zu konzentrieren.

  Die oft euphorischen Erwartungen an die Auswirkungen des E-Business sind oft zu hoch gestellt und können kurzfristig selten die gewünschten Ergebnisse liefern. Langfristig jedoch können diese Erwartungen durch eine konsequente Umsetzung der passenden Strategie sogar übertroffen werden:

 

2.1 Initiierungsphase  >> oben

Zu Beginn erfolgt im Rahmen der Initiierungsphase eine Verständigung auf die mit der E-Procurement Strategie verfolgten Ziele, die Anforderungen an die Strategie und die zugrundeliegende Vision.

Bei der Zieldefinitionen bildet die Analyse der Nutzenpotentiale des E-Procurement einen wesentlichen Baustein. Vier zentralen Potentialbereichen des E-Procurement:

          Kostenreduktion   

Zunächst stehen Reduktion der Prozesskosten und Einstandspreise im Vordergrund, durch engere Lieferantenkontakte ergeben sich aber noch weitere interessante Möglichkeiten im strategischen Bereich:

Ermittlung des Nachfragetrends Die zu Beschaffungszwecken vernetzten Unternehmen informieren sich gegenseitig über die geplante Beschaffung. Das Unternehmen trifft so die Entscheidung, ob es sich der temporären Kooperation anschließen.
Effiziente Erschließung von Zulieferquellen  Jedes teilnehmende Unternehmen bringt seine qualifiziertesten Lieferanten das Informationspool mit ein, so dass ein bestmöglicher Lieferantenpool generiert wird.
Strukturierte Beschaffung und Verarbeitung von Informationen Quantitative und qualitative Lieferanteninformationen werden zur Ermittlung des optimalen Preis-/Leistungsverhältnisses miteinbezogen. Im Rahmen eines Collective Buying steigt hier der Wert der Informationen mit der Teilnehmerzahl.
Koordination gemeinsamer Lieferantenprozesse Lieferantenprozesse wie Rüstzeiten, Produktion und Logistik können mit durchgängiger Koordinierung des Beschaffungsvorganges optimiert werden.
Strategisches Controlling der Lieferantenbeziehung Vor dem Hintergrund eines sich immer wieder verändernden Lieferantenumfelds können vorausschauend neue Erfolgspotenziale erarbeitet werden.
Konstruktives Feedback-System    

Zeitersparnis

Durch die Verfügbarkeit spezieller Internet-Technologien steht heute vor allem die Möglichkeit offen, die Beschaffung von Gütern mit geringer strategischer Bedeutung und hohem Automatisierungspotential mit Hilfe von elektronischen Abläufen schneller und effizienter zu gestalten.

 

      Qualitätssteigerung   durch Lieferantenkontaktmanagement (Supplier Relationship Management, SMR) 

 Mit den heutigen Möglichkeiten der E-Procurement Systeme auf Internetbasis, können Kommunikationswege von Lieferanten und Kunden neu strukturiert und zusammengesetzt werden, so dass nicht nur Organisationen innerhalb eines Unternehmens sondern auch verschiedene, örtlich getrennte Organisationen informationstechnisch miteinander vernetzt werden. Diese Vernetzung verbessert die Qualität des Beschaffungsprozesses durch Kollaboration und senkt die Materialkosten im Konsens der Beteiligten beispielsweise durch besseres Verständnis der Beschaffungsinhalte.

Neben den Nutzenpotentialen bildet die Auseinandersetzung mit den im Rahmen des E-Procurement zur Verfügung stehenden Bausteinen und Lösungen einen zweiten wesentlichen Baustein.

Ebenfalls in der Initiierungsphase ist die Projektorganisation für die Entwicklung der E-Procurement Strategie festzulegen.

 

2.2 Analysephase  >> oben

Die auf die Initiierung folgende Analysephase sollte eine interne und externe Analyse beinhalten.

 

2.2.1 Interne Analysen >> oben

Bevor man mit der Errichtung eines e-Procurementportals beginnt, ist es wichtig eine möglichst genaue Analyse der Ist- Situation im eigenen Unternehmen durchzuführen.

 

2.2.1.1 Portfolioanalyse  >> oben

Zunächst gilt es herauszufinden, welche Produkte sich für den Einkauf im WWW eignen. Da die Beschaffung in Abhängigkeit von den zu beschaffenden Warengruppen, je nach entsprechender Beschaffungsstrategie, sehr unterschiedlich organisiert wird, sollte eine Analyse des Beschaffungsportfolios durchgeführt werden. Die klassische Gütergruppierung nach dem ABC-Schema ist für diesen Zweck nicht ausreichend. Die in einem Unternehmen insgesamt beschafften Güter können anhand der Kriterien strategische Bedeutung und Automatisierungspotential unterteilt werden. Diese beiden Kriterien erlauben eine effektive Einteilung für den Zweck der Einführung von eProcurement-Lösungen. Dazu wird eine Portfolioanalyse durchgeführt.

Für die Portfolioanalyse wird eine Vier-Felder-Matrix verwendet.  Auf der X-Achse wird der Wert eingetragen und auf der Y-Achse die Versorgungsunsicherheit. Alle Zukaufteile werden nach diesen zwei Kriterien bewertet und in die Matrix eingetragen. Der Umsatz pro Jahr und Produkt wird durch die Fläche der Kreise dargestellt.Je nach Lage der Punkte in der Matrix wird das Einkaufsteil der Kategorie Hebel-, Schlüssel-, Engpaßprodukten oder Unproblematischen Gütern zugeordnet. Wie die Grafik zeigt, werden bei unterschiedlichen Kategorien unterschiedliche Strategien als zielführend erachtet.

Strategienfindung mittels Portfolio-Analyse:

 

Beispiel für Portfolio-Diagramm: 

 

Quelle: Frauenberger, Horni, Zlabinger: Fallstudie im Rahmen des  Fachseminars eSourcing Universität Linz, 18.03.2002

 

Wert:

Skala von 0,1 – 1  (0,1 = niedrig, 1 = hoch)

orientiert sich an der ABC-Analyse

 

Versorgungsunsicherheit:

Skala von 0,1 – 1  (0,1 = niedrig, 1 = hoch)

Kriterien für die Versorgungsunsicherheit sind vor allem die Anzahl der Lieferanten und deren Erreichbarkeit.

 

Für das eProcurement Portal sind vor allem die Hebelprodukte (= hoher Wert & niedrige Versorgungsunsicherheit) von Bedeutung.

 

2.2.1.2 IT-Analyse >> oben

Eine weitere sehr wichtige Internen Analyse ist die IT-Analyse. Dazu gehört die Analyse wichtiger Faktoren wie der Umfang des Intranets, vorhandene ERP-Systeme und bestehende Lieferantenanbindung (z.B. via EDI oder anderer Kommunikationsmittel). Weiters gilt es herauszufinden, welche allgemeinen Hard- und Softwarekomponenten im Unternehmen eingesetzt werden.. Folgendes Schema könnte sich dabei als hilfreich erweisen:

  Betriebswirtschaftliche Standardsoftware PC-Standard Internet-Applikation
Client      
Applikationsebene      
Anwendungsprogramme      
Datenbanken      
Betriebssystem      
Computer      
Netzwerkarchitektur      

 

2.2.1.3 Prozessanalyse>> oben

Um den Einkaufprozess in einem Unternehmen zu digitalisieren, muß man zunächst die Ist-Prozesse verstehen lernen. Dafür wird jeder Schritt von der Bedarfsentstehung bis zur Bezahlung genau analysiert. Um die Beschaffungsprozesse selbst von der Lieferantenauswahl bis zur Zahlungsabwicklung auf die individuellen Anforderungen des Unternehmens optimal anpassen zu können, müssen etablierte Szenarientechniken und detaillierte Prozeßmodellierung zum Einsatz kommen. Abbildung 4 zeigt wie so ein Beschaffungsprozess - Modellierung aussehen könnte.

 

2.2.1.4 Analyse der Lieferantenbeziehungen>> oben

Die Dimension ‚Lieferantenstrategie' und Lieferantenmanagement untergliedert sich in die Punkte Volumen, Bedeutung der Lieferanten und Beschaffungsmarktkomplexität. Das Lieferantenmanagement wird von der Lieferantenpolitik festgelegt und muss für jede Warengruppe detailliert festgelegt sein. Erfolgreiches Lieferantenmangement basiert auf der Bereitschaft der Lieferanten zu einer gemeinsamen Prozeßveränderung.

Lieferanten als Partner:

Heute steht eindeutig die Neugestaltung der Lieferantenbeziehungen bei der Einführung von eProcurement im Vordergrund. Die Möglichkeit der Etablierung ergebnisorientierter Partnerschaften mit den Lieferanten und die gemeinsame Zusammenarbeit bei Entwicklung, Produktion sowie Qualität wird vor allem von Großunternehmen genutzt. Ein Schwerpunkt des Lieferantenmanagements stellt auch die Optimierung der Logistikleistung dar. Diese wird durch die Einbindung von sogenannten Systemlieferanten erzielt. Die Lieferanten werden als Partner gesehen, in die Logistikkette integriert und können auf diese Weise einen erheblichen Teil des Koordinationsaufwands übernehmen. Durch gemeinsame Nutzung von Ressourcen und Know-how-Transfer besteht die Möglichkeit der beiderseitigen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Synergieeffekte. Der Community-Gedanke von eProcurement unterstützt durch langfristig angelegte Partnerschaften diese Effekte. Darüberhinaus bietet es aber auch Alternativen gerade in Bezug auf der Suche nach neuen Lieferquellen. Da die Suche nach neuen Lieferanten von mehreren Kriterien (z.B. Lieferantenmarkt, Warengruppe, Wiederbeschaffungszeitraum, etc.) abhängt, erhöhte eProcurement die Flexibilität und Versorgungssicherheit des Einkaufs.

 

2.2.2 Externe Analyse  >> oben

2.2.2.1 Beschaffungsmarktanalyse >> oben

Die Beschaffung wird zum strategischen Partner in der unternehmensweiten Wertschöpfungskette. Die wirklich entscheidende Frage wird auch sein, wie sich eProcurement auf die Lieferantenseite auswirkt. Zweifellos wird es hier bei Unternehmen mit einer sehr heterogenen Lieferantenlandschaft zu einem Konzentrationsprozeß der Lieferantenbasis kommen. Dies betrifft vor allem den C-Güter-Bereich. Der Mehrwert einer solchen Konzentration muß allerdings individuell untersucht werde. Es ist durchaus auch vorstellbar, daß die Zusammenarbeit mit mehreren kleinen, lokalen Lieferanten Vorteile gegenüber einer eindimensionalen Global Sourcing-Strategie bringt.

 

Themen, die in der Beschaffungsmarktanalyse behandelt werden:

 

Suche nach günstigeren Einstandspreisen

Suche nach Bezugsalternativen

Fehlende Kapazitäten beim Lieferanten

Neue Produkte

Neue Technologien

Der Schritt in neue Beschaffungsmärkte

 

 

Potentielle Quellen:

 

Online-Firmenverzeichnisse

Datenbankanbieter

Lieferantenverzeichnisse CD-ROM

Online-Ausschreibungsplattformen

Virtuelle Marktplätze

Freie Internetrecherche

Verbände & Organisationen

Eigene Kontakte  

Quelle: Dr. Zarnekow, ITMC Gmbh

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