Einleitung

Globalisierung der Wirtschaft und rasche Veränderungen der Märkte sind die heutigen Rahmenbedingungen auf die sich Unternehmen in immer stärkeren Maße einstellen müssen. Das Zusammenrücken der Weltmärkte und tief greifende Veränderungen der Wettbewerbssituation erfordern von Unternehmen einen strategischen Umbruch. So nimmt die weltweite Vernetzung von Unternehmensaufgaben zu. Das Denken in festen Bezugsrahmen und damit das Verharren in statischen Ordnungsstrukturen wird der heutigen Marktdynamik nicht mehr gerecht. Der verbundene Einsatz sämtlicher Unternehmensressourcen ist unabdingbar. Die Konfiguration der geographischen Ressourcenverteilung und die Koordination des Ressourceneinsatzes sind zentrale Strukturgrößen heutiger Unternehmensstrategien. Ferner zeichnet sich immer stärker ein unternehmensübergreifendes Prozessmanagement ab. Der Horizont von Prozessen beginnt und endet heute nicht mehr innerhalb der Unternehmung. Die Grenzen erweitern sich und zunehmend ist eine globale Sicht gefragt, die durchgängig Privatpersonen, Wirtschaftsunternehmen und öffentliche Verwaltungen in die Geschäftsabläufe einbezieht.





I.    Definition

 
Enterprise-Resource-Planning-Systeme (abgekürzt ERP-Systeme) werden lt. Abts (2004) definiert wie folgt:

"[ERP-Systeme] sind integrierte betriebswirtschaftliche Standardanwendungssoftware-Pakete, die nahezu alle Aufgabenbereiche und Prozesse innerhalb eines Unternehmens unterstützen, wie z.B. Beschaffung, Produktion, Vertrieb, Rechnungswesen und Personalwirtschaft".

Unter ERP-Systemen versteht man folglich die betriebswirtschaftliche Standardapplikation eines Unternehmens, welche alle wesentlichen kaufmännischen und buchhalterischen Geschäftsprozesse eines Unternehmens abbildet.

Der Begriff "ERP" wird auch als Synonym für integrierte Standardanwendungssoftware genutzt.






II.    Begriffsabgrenzung

Ein ERP-System ist eine Erweiterung des traditionell in Industrieunternehmen eingesetzten Produktionsplanungs- und Steuerungssystems (PPS-System).

PPS-Systeme unterstützen den gesamten Prozess der Planung und Ausführung von Fertigungsaufträgen und zwar von der Angebotsbearbeitung, Beschaffung, Lagerhaltung, Material- und Ressourcenplanung bis zur Fertigungsüberwachung und Auslieferung.

Bei ERP-Systemen sind weitere betriebswirtschaftliche Funktionsbereiche hinzugekommen - z.B. Module für Vertrieb, Rechnungswesen und Personalwirtschaft.

 




III.    Ziele


Integrierte Standardanwendungssoftware bzw. ERP-Systeme dienen zur Optimierung der innerbetrieblichen Geschäftsprozesse.

electronics clipart

Quelle: http://www.suffolk.va.us/cwatty/resources.html





IV.    Marktentwicklung


Marktentwicklung:

1970er Jahre: Die ersten Standardanwendungen

Bis in die 1970er Jahre hinein waren weite Teile der IT-Industrie v.a. am Verkauf von Hardware interessiert. Die Erstellung der Software für betriebswirtschaftliche Zwecke wurde weitgehend den Kunden überlassen. Allenfalls bot man Systemsoftware, Compiler, Datenbanken usw. an, um ihnen diese Arbeit zu erleichtern. Die Branche lebte gut vom Geschäft mit Rechenanlagen und Zubehör und so versäumten es die großen Anbieter, in das Geschäft mit Anwendungssoftware einzusteigen.

Diese Zurückhaltung ließ Raum für einzelne findige Neugründungen, heute würde man sie Start-Ups nennen, die mittlerweile zu Weltkonzernen aufgestiegen sind. sie kamen auf die eigentlich nahe liegende Idee, dass alle Unternehmen die gleichen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu beachten haben und sie daher offenbar immer wieder von neuem - jedes für sich - die gleichen Aufgaben bei der Erstellung ihrer Programme für das Rechnungswesen lösten. Für andere Anwendungsfelder galten zwar keine einheitlichen gesetzlichen Vorgaben, aber allgemein verbreitet betriebswirtschaftliche Erkenntnisse, die in Software für Kostenrechnung, Logistik und Produktion einflossen (siehe Abbildung Standardanwendungen der 1970er Jahre). Was lag also näher, als diese Systeme einmal zu erstellen und dann an eine Vielzahl von Kunden zu verkaufen?

Diese ersten Beispiele betriebswirtschaftlicher Standardanwendungssoftware liefen auf Großrechnern. Zielgruppe der Anbieter waren v.a. große Konzerne, die eigene Rechenzentren unterhielten. Das erste Produkt der SAP, System RF, ist ein Beispiel für solche Software, die das Rechnungswesen großer Konzerne verwaltete. "R" stand dabei für Realtime, damals eine Besonderheit gegenüber der üblichen Stapelverwaltung und kurioserweise bis heute Bestandteil des Produktnamen von SAP R/3.

Mit der Zeit kamen mehr und mehr Anbieter auf den Markt, die sich nicht mehr nur auf Großrechnern als Plattform beschränkten. Sie boten auch Software für Minirechner (Midrange-Systeme), insbesondere für die Abteilungsrechner der IBM an. Die Kundengruppe wurde dadurch um mittelgroße Unternehmen erweitert. Viele dieser Anbieter sind inzwischen durch Unternehmensübernahmen oder Insolvenzen wieder vom Markt verschwunden, einige jedoch sind bis heute erfolgreich. 


1980er Jahre: Die ersten ERP-Systeme

Die ersten betriebswirtschaftlichen Applikationen bedienten jeweils einen Teilbereich des Unternehmens. Da zwischen Finanz- und Güterströmen innerhalb eines Unternehmens aber zahlreiche Verbindungen bestehen, lag es nahe, die entsprechenden Anwendungssysteme auf einer gemeinsamen Plattform laufen zu lassen, uns sie auf gemeinsame Daten zugreifen zu lassen. Schließlich betraf der Verkauf eines Produktes die Buchhaltung, die die Höhe des Umsatzes erfasste, ebenso wie die Logistiksysteme, die Produktion und Lieferung verwalteten. Waren dafür Sonderschichten notwendig, so war auch das Personalverwaltungssystem involviert.

Arbeitete man mit getrennten Systemen, so mussten viele Vorgänge mehrfach erfasst und diese Systeme von Hand konsistent gehalten werden. Natürlich konnte man Schnittstellen entwickeln, die dieses Problem behoben; nahe liegender war es jedoch, alle Aufgaben gleich einem einzigen System anzuvertrauen. Aus dieser Erkenntnis heraus entstanden in den 1980er Jahren integrierte Anwendungssysteme für alle Abteilungen eines Unternehmens. Sie operierten auf einer einheitlichen Datenbank und Laufzeitumgebung. Für sie hat sich der Begriff Enterprise-Resource-Planning (ERP) durchgesetzt. ERP-Systeme sind bis heute unverzichtbarer Kern jeder Anwendungslandschaft in einem Unternehmen.

Eines dieser ersten ERP-Systeme war das R/2-System der SAP. Es war für große Konzerne konzipiert und lief auf Großrechnerplattformen, deckte aber mit Finanzwesen, Rechnungswesen, Logistik, Produktion und Personalwesen schon alle wichtigen Einsatzfelder im Unternehmen ab.

Quasi alle großen Konzern entschieden sich für R/2 oder ein anderes dieser ersten ERP-Systeme auf Großrechnerplattformen. Einige dieser Installationen sind bis heute im Einsatz.

In den 1980er Jahren traten viele neue Anbieter auf den Markt für Business Software. Der niederländische Hersteller Baan war ausgesprochen erfolgreich mit einem ausgeklügelten System für die Produktionsplanung und -steuerung (PPS), das später um andere Funktionen erweitert und zum ERP-System ausgebaut wurde.

Insbesondere in Deutschland entwickelte sich eine Vielzahl kleiner, lokal oder regional begrenzt auftretender Anbieter, die häufig auf bestimmte Branchen spezialisiert waren.

In vielen Fällen wurden Speziallösungen für einzelne Unternehmen zur Standardlösung ausgebaut und auf den Markt gebracht. Bekanntestes Beispiel ist Pamela Lopker, die als Mathematikerin auf einer Progress-Datenbank ein PPS-System für die Schuhfabrik ihres Mannes entwickelte. Da sich mehr und mehr Unternehmen für dieses System interessierten, überstieg der Gewinn aus dem Softwarevertrieb bald den aus dem Schuhgeschäft und die beiden konzentrierten sich fortan auf die Weiterentwicklung ihrer Anwendungssoftware zur ERP-Lösung. Pamela und Karl Lopker leiten bis heute das Unternehmen QAD, an dem sie die Aktienmehrheit halten.

Erste Anbieter experimentierten mit graphischen Benutzeroberflächen (sog. Graphical User Interface, GUI). Erstmals wurden auch kleinere Unternehmen als Kunden entdeckt.


1990er Jahre: Konsolidierung der ERP-Anbieter

Anfang der 1990er Jahre wuchs der ERP-Markt nach wie vor rasant. Einen Großteil dieses Wachstums konnten einige wenige Anbieter für sich verbuchen. Es entstand eine Gruppe von ERP-Herstellern, die sehr schnell an Umsatz, Gewinn und Mitarbeiterzahl zulegte. Andere Hersteller hatten es immer schwerer, mit dieser Gruppe gleichzuziehen. Einige mittelgroße ERP-Softwarehäuser konnte sich dem Konsolidierungseffekt entziehen und lange selbständig bleiben.

SAP brachte 1992 das System R/3 auf den Markt, das als R/2-Alternative für den Client-Server-Markt konzipiert war und sich zu dessen Nachfolgeprodukt entwickelte. Es lief serverseitig v.a. auf Unix-Plattformen, seltener auf IBMs AS/400-Rechnern, später auch auf Windows-Plattformen und vereinzelt auf Großrechnern. Seine Client-Server-Architektur bezog die inzwischen aufgekommenen PCs an den Arbeitsplätzen der Endbenutzer mit in die Systemarchitektur ein, indem sie sie zur graphischen Darstellung der Benutzeroberfläche nutzte. Hauptanwender waren wiederum größere Unternehmen. Im laufe der Jahre führten immer kleinere Unternehmen R/3 und vergleichbare Produkte ein.

Während SAP zunächst Finanzsoftware hergestellt hatte und dann durch ergänzende Produktions- und Logistikfunktionalität zum ERP-Anbieter geworden war, war der niederländische Hersteller Baan den umgekehrten Weg gegangen: Baan galt Anfang der 1990er Jahre als der ERP-Anbieter mit besonders umfassenden Funktionen für die Produktionsplanung und -steuerung (PPS).

Wiederum einen anderen Weg beschritt Peoplesoft. Das US-Unternehmen startete mit personalwirtschaftlicher Software und baute diese Anwendungen mit PPS-, Finanz- und Logistikfunktionen zum ERP-System aus.

Mit Oracle drängte einer der größten Datenbankanbieter in den Markt für Business Software. Dies wurde für andere Anbieter besonders unangenehm, weil ihre eigenen Applikationen zum Teil auf Oracle-Datenbanken installiert waren.

Die Anbieter betriebswirtschaftlicher Software für die AS/400-Plattform begannen, auf dem Markt für unix- und windowsbasierte Anwendungen aufzutreten. Viele von ihnen waren auf bestimmte Branchen spezialisiert - wie z.B. der amerikanische Anbieter Marcam, das schwedische Unternehmen Intentia, der britische Anbieter JBA sowie SSA und D.J. Edwards aus den USA. Je später ihre neuen Systeme entstanden, desto moderner war ihre Basistechnologie im Vergleich mit etablierten Produkten. Sie setzten z.T. bereits objektorientierte und internetbasierte Technologien bei der Entwicklung ein. Da sie bzgl. der Funktionalität aber ihrerseits einen Rückstand aufzuholen hatten, konnten sie diesen technologischen Vorsprung nur in begrenztem Umfang in wirtschftlichen Erfolg umsetzen.

Die gängigen ERP-Systeme verfügten über immer mehr Funktionen und wurden daher immer komplexer. Die umfassender Softwarepakete der marktführenden Unternehmen waren v.a. für große Unternehmen geeignet. Aus diesem Grund spezialisierten sich immer mehr Softwarehäuser darauf, spezielle ERP-Software für KMUs anzubieten. Dabei handelte es sich um windowsbasierte Systeme. Als Beispiel für solche Unternehmen seien die dänische Navision AG, die 1984 von drei Studenten gegründet worden war, sowie Great Plains zu nennen.


1989er Jahre: Konsolidierung der ERP-Anbieter

In den 1990er Jahren fanden bedeutende Akquisitionen und Übernahmen statt. So wurden z.B. Baan und Marcam von Invensys, einem Hersteller von Software für die Fertigungssteuerung, übernommen. Invensys wurde damit zum Komplettanbieter von Software für die Produktion von der obersten betriebswirtschaftlichen Planungsebene bis zur Steuerung der Maschinen. Mittlerweile ist Baan wie SSA im Besitz einer Investorengruppe, die aus Cerberus Capital Management und General Atlantic Partners besteht.

Die ersten Anbieter von Business Software, die neue Softwaregattungen außerhalb des ERP-Markts schufen, entstanden zu Beginne der 1990er Jahre. Im Bereich Customer-Relationship-Management sind v.a. Siebel und Vantive zu nennen; im Bereich Supply-Chain-Management waren i2 und Manugistics besonders erfolgreich.

Um den Durchbruch solcher spezialisierten Unternehmen zu stoppen, schlossen sich die marktführenden Unternehmen Partnerschaften zusammen (z.B. SAP und Commerce One), akquierierten diese (z.B. Baan übernahm Aurum; Peoplesoft übernahm Red Pepper; J.D. Edwards übernahm Numetrix) oder entwickelten selbst spezielle Produkte (z.B. SCM-Software SAP APO).

Diese neuen Softwarekategorien gewannen in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gegenüber dem traditionellen ERP-Geschäft mehr und mehr an Bedeutung.


Heute: Eine Vielzahl von Softwarekategorien

Heute lässt sich der Markt für Business Software in folgende Kategorien unterteilen:

- CRM
- EAI
- E-Business

Lediglich drei großen Unternehmen gelang es, diese drei Bereiche mit eigenen Produkten abzudecken: SAP, Oracle und Peoplesoft.

Neben diesen drei marktführenden Unternehmen existiert eine Vielzahl von Spezialanbietern, die sich jeweils nur auf einen dieser Märkte spezialisieren.

Von besonderem Interesse für die Hersteller ist heute der Markt der KMUs, nachdem zumindest der ERP-Großkundenmarkt größtenteils gesättigt ist. Microsoft tritt nach den beiden genannten Akquisitionen hier als Anbieter auf, ebenso wie Sage KHK und SAP mit ihrem Produkt Business One.

Dienstleistungen im Umfeld betriebswirtschaftlicher Software

Im Business Software Bereich existieren neben der Entwicklung und dem Vertrieb der Software noch eine Vielzahl von Dienstleistungen.

Abbildung:    Dienstleistungen im Business Software Bereich

*Service & Support (Wartung)
*(Externe) Beratungsdienste
*Training (der Endbenutzer)


Dienstleistungen im Umfeld betriebswirtschaftlicher Software:
Application Service Provision (ASP)

Nur in sehr begrenztem Umfang konnte sich in Bezug auf Business Software bislang ASP durchsetzen. Dabei wird eine Software komplett vom Hersteller oder einem anderen Dienstleister betrieben. Der Anwender zahlt eine monatliche Gebühr dafür, sie nutzen zu können. Aus technischer Sicht ist diese Modell heute auch bei großen Benutzerzahlen durchaus möglich. Die Anwender greifen über Mietleitungen oder über das Internet auf die Anwendung zu. Im Falle einer reinen Weboberfläche sind nicht einmal mehr zusätzliche Öffnungen der Firewalls notwendig. Der Endanwender greift per Browser auf das System des Providers zu.

ASP ist v.a. für kleinere Unternehmen interessant, für die sich der selbständige Betrieb eines hochverfügbaren Systems nicht lohnt.

Aus der Anwendung von ASP resultieren folgende Vorteile:

*kurze Einführungszeiten
*vorhandene Expertise des Betreibers
*fest planbare Betriebskosten
*geringer Aufwand

Diesen Vorteilen stehen die folgenden Nachteile gegenüber:

*Abhängigkeit vom AS-Provider
*externe Speicherung kritischer Daten
*hohe Benutzergebühren


SAP

Die Abkürzung SAP steht für "Systeme, Anwendungen und Produkte in der Datenverarbeitung" oder "Systems, Applications and Products in data processing". Die SAP wurde 1972 gegründet. Sie hat ihren Hauptsitz in Walldorf, Deutschland. SAP vertrieb zunächst ein System für das Finanz- und Rechnungswesen, später mit R/2 ein komplettes ERP-System. 1992 kam R/3 auf den Markt. Seit 1988 ist sie in Deutschland börsennotiert, seit 1998 auch in den USA. In den letzten Jahren biete sie auch Nicht-ERP-Anwendern Produkte an, z.B. Software für elektronische Marktplätze und Portale. Heute arbeiten nach eigenen Angaben etwa 10 Millionen Benutzer an über 600.000 Installationen mit SAP-Software. Aktuelles Projekt ist my.sap, eine Gesamtlösung, die neben den ERP-Anwendungen viel neuere Produkte umfasst.


Oracle

Die Firma Oracle wurde 1977 gegründet. Ihr Hauptsitz befindet sich in Redwood Shores, Kalifornien. Als eine der ersten Firmen brachte sie ein relationales Datenbanksystem für kommerzielle Anwendungen auf den Markt. Oracle gilt bis heute als eines der führenden Unternehmen in diesem Bereich, viele Konkurrenzapplikationen arbeiten auf der Grundlage einer Oracle-Datenbank. Oracle ist seit 1986 börsennotiert. Inzwischen entwickelt man außer Datenbanken auch alle Arten betriebswirtschaftlicher Anwendungssoftware. Oracle gilt als ein Softwarehaus, das besonderen Wert auf die Technologie legt, die seinen Anwendungen zugrunde liegt. Als eines der Unternehmen hat es sich auf eine webbasierte Architektur festgelegt.


Peoplesoft

Das jüngste unter den hier beschriebenen Unternehmen ist Peoplesoft. Es wurde 1987 in Kalifornien gegründet und erlebte in den ersten Jahren einen rapiden Aufstieg. Bereits kurz nach der Gründung wurde ein zweistufiges Client-Server-System für personalwirtschaftliche Anwendungen entwickelt und vertrieben. Zunächst konzentrierte man sich auf strategische Human-Resources-Anwendungen (sog. HR-Anwendungen) wie Personalentwicklung, dann erweiterte man die Software zunächst um operative Funktionen wie z.B. Lohn -und Gehaltsabrechnung. Schließlich entwickelte man sie zur kompletten ERP-Suite weiter, indem man Logistik- und Finanzanwendungen ergänzte. Seit 1992 werden die Aktien von Peoplesoft öffentlich gehandelt.

Mit der Version Peoplesoft 7 ging das Unternehmen recht spät auf eine dreistufige Architektur (Benutzerrechner, Anwendungsserver, Datenbankserver) über. 1999 übernahm Peoplesoft mit Vantive einen der großen Anbieter von Software für das Customer-Relationship-Management (CRM) und integrierte das System mit einer ERP-Lösung. Das aktuelle Produkt heißt Peoplesoft 8.

2003 übernahm Peoplesoft den Wettbewerber J.D. Edwards. Die Produktpaletten der Unternehmen ergänzen sich, da J.D. Edwards v.a. bei mittelgroßen Unternehmen der Fertigungsindustrie verbreitet ist, Peoplesoft dagegen insbesondere große Konzerne zu seinen Kunden zählt.

Im Jahr 2004 wurde Peoplesoft von Oracle übernommen.


Navision, Great Plains, Microsoft

In den ersten Jahren des ERP-Booms konzentrierten sich die meisten Anbieter auf große Unternehmen und Konzerne als Kunden. Hier war mit relativ geringem Vertriebsaufwand viel Umsatz zu erzielen, da diese Kunden jeweils große Anzahlen von Lizenzen beschafften. Dieser Umstand ermöglichte es Nischenanbietern, leicht konfigurierbare, aber funktional beschränkte ERP-Lösungen mit großen Erfolg an kleinere Unternehmen zu vertreiben. Inzwischen ist der ERP-Markt für Konzerne weitgehend gesättigt und alle Anbieter versuchen, kleinere Unternehmen als Kunden zu gewinnen. Die Mittelstandspezialisten müssen daher heute mit den Generalisten konkurrieren.

Zwei der bedeutendsten Anbieter von ERP-Software für kleinere, mittelständige Unternehmen waren Navision und Great Plains, die inzwischen beide von Microsoft übernommen wurde.

Navision wurde 1984 in Dänemark gegründet und spezialisierte sich früh auf ERP-Software für Microsoft-Betriebssysteme, die damals noch als reine Endbenutzerplattformen galten. 1995 wurde mit Navision Financials eine ERP-Lösung mit Client-Server-Architektur auf den Markt gebracht. Funktionen für das Finanz- und Rechnungswesen waren im Standard enthalten, die Anpassung an die Anforderungen der Kunden besorgten Implementierungspartner, die bei Bedarf auch Logistikfunktionen ergänzten. Navision schloss sich im Jahr 2000 mit Damgaard, einem anderen dänischen ERP-Anbieter zusammen.

Great Plains ist ein amerikanisches Unternehmen, das 1981 in Fargo gegründet wurde und ebenfalls ERP-Systeme auf Microsoft-Plattformen entwickelte. Während Navision im europäischen Markt erfolgreich war, lag Great Plains Stärke in Nordamerika. Inzwischen weren die Produkte von Navision und Great Plains von Microsoft vertrieben und weiterentwickelt.





V.    Merkmale

 

 

Die Daten der verschiedenen betriebswirtschaftlichen Bereiche werden bei einem ERP-System zentral in einer Datenbank gespeichert. Dies ermöglicht eine bereichsübergreifende Datennutzung, ohne dass die Daten mehrfach eingegeben und gepflegt werden müssen.

Beispiel 1:
Bei der Buchung eines Wareneingangs in der Materialwirtschaft werden ohne Zusatzaufwand auch die Konten der Finanzbuchhaltung wertmäßig fortgeschrieben.

Folglich ist Integration das zentrale Merkmal von ERP-Systemen.

Unter Integration versteht man die (Wieder-)Herstellung eines einheitlichen Systems. Anwendungssysteme (siehe Anwendungssystem), die aufgrund von funktionaler Spezialisierung oder unterschiedlicher technischer Entwicklung bislang nur schlecht zusammengewirkt haben, werden nunmehr zusammengeführt. Aus sich gegenseitig ergänzenden Teilen wird eine neue umfassende Einheit geschaffen, die mehr Nutzen bringt als die bloße Summe ihrer Einzelteile. Bezogen auf betriebswirtschaftliche Anwendungen werden miteinander verzahnte Arbeitsgebiete informationstechnisch von einem einheitlichen System versorgt. Integration begegnet uns in unterschiedlichen Formen (siehe Integrationsformen).





VI.    Aufbau / Konzeption

 

Wie bereits erwähnt, sind ERP-Systeme die Erweiterung der in Industriebetrieben eingesetzten Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme (PPS) und enthalten deren Grundkomponenten. Diese Softwarepakete unterstützen den gesamten Prozess der Planung und Ausführung von Fertigungsaufträgen, von der Angebotsbearbeitung, Beschaffung, Lagerhaltung, Material- und Ressourcenplanung  bis zur Fertigungsüberwachung und Auslieferung, mit dem Ziel, die Geschäftsprozesse im Hinblick auf Mengen-, Termin- und Kapazitätsaspekten zu optimieren. Im Unterschied zu den PPS-Systemen sind bei den ERP-Systemen betriebswirtschaftliche Funktionsbereiche hinzugekommen. Diese umfassen vor allem Module für Vertrieb, Rechnungswesen und Personalwirtschaft.

Der Begriff „ERP“, der heute eine weite Verbreitung gefunden hat, ist eigentlich unglücklich gewählt, da bei ERP-Systemen weder die Ressourcen noch die Planung, sondern die integrative Abwicklung
von Geschäftsprozessen
im Mittelpunkt steht.

Mittelpunkt eines jeden ERP-Systems steht eine zentrale Datenbank, in der alle Daten der verschiedenen betriebswirtschaftlichen Bereiche gespeichert sind. Der Vorteil einer solchen zentralen Datenbank ist, dass eine bereichsübergreifende Datennutzung möglich ist, ohne dass die Daten mehrfach eingegeben und gepflegt werden müssen. Neben dieser zentralen Datenbank gibt es auch bestimmte Programme, die für alle Anwendungsbereiche nutzbar sind

Der prinzipielle Aufbau eines ERP-Systems ist in Abbildung 1 (siehe Abbildung 1) sowie in Abbildung 2 (siehe Abbildung 2) dargestellt.


 


VII.     Module

Eine grundsätzliche Einteilung erfolgt in operative und analytische Anwendungen. Bei einer operativen Anwendung steht die Bearbeitung eines einzelnen Geschäftsvorfalls im Mittelpunkt, beispielsweise die Verbuchung einer Lieferantenrechnung mit Hilfe eines Anwendungsprogrammes. Die analytischen Systeme erzeugen Auswertungen, Kennzahlen und Grafiken vor allem für das Management, sie enthalten zusammengefasste (aggregierte) Informationen.

Ein ERP-System (z.B. das Programm SAP) umfasst folgende Funktionen:



Abbildung zeigt den Informationsfluss im Rechnungswesen.


Kostenrechnung und Controlling:

Die Aufgaben der Kostenrechnung lassen sich beschreiben wie folgt:


In der SAP-Oberfläche werden die Module zu den Gruppen

zusammengefasst.
 

Die Entwicklungsfunktionen sowie die Elemente des Basissystems finden sich in den Gruppen

wieder.






VIII.    Customizing
 

Mit dem Customizing wird das ERP-System auf die speziellen Anforderungen und Bedürfnisse eines Unternehmens eingestellt bzw. bestehende Strukturen modifiziert und erweitert. Des weiteren werden über das Customizing neue Anwendungen und Releases problemlos in bestehende Systemstrukturen mit eingebunden.

 


Quelle: http://www.sap.info/public/en/popupimage.php4/ImageFile-309483f77fab33a300





IX.    Zusammenfassung
 

Ein ERP-System zeichnet sich dadurch aus, dass Geschäftsprozesse integriert über mehrere Module und mehrere organisatorische Einheiten hinweg bearbeitet werden können. Mit dem Mittel der Nachrichtensteuerung können weite Teilbereiche bei der Bearbeitung eines Geschäftsprozesses automatisiert werden. Für die Behandlung von eingehenden elektronischen Nachrichten steht ebenfalls Funktionalität zur Verfügung. Ausgezeichnet sind die Bearbeitungsmöglichkeiten für eingehende Originaldokumente. Auf eine Bearbeitung eines Papierdokuments kann vollständig verzichtet werden, da nach dem Erfassen des Papierdokuments dieses in elektronischer Form jederzeit angezeigt und weitergereicht werden kann. Für eingehende Originaldokumente steht ein einstufiges Verarbeitungskonzept zur Verfügung, wodurch automatisch die zur Verarbeitung benötigte Transaktion aufgerufen wird.