Produktionsplanung

Abbildung stellt den funktionalen Ablauf der Produktionsplanung dar.


Fertigungswirtschaft

Die Produktionsplanung und -steuerung (PPS) ist eine der ältesten und umfangreichsten EDV-Anwendungen im Industriebetrieb und für ein Unternehmen eines der wichtigsten. Die Marktstellung eines Unternehmens hängt in erster Linie von der Qualität, Funktionalität und Innovation seiner Produkte ab. Das allein kann aber nicht ausschlaggebend sein, denn auch Unternehmen mit hochwertigen Produkten verschwinden vom Markt. Es gibt also noch einen weiteren, entscheidenden Einfluss für das Gedeihen eines Unternehmens, nämlich die Organisation des Güterflusses. Auffällig ist, dass florierende Unternehmen eine straffe Organisation des logistischen Flusses vom Lieferanten bis hin zum Kunden besitzen; sie verwenden besonders gute PPS-Systeme. Die Produktionsplanung und -steuerung befasst sich mit der Organisation aller Vorgänge, die beim Güterfluss durch die Produktion zu planen und zu steuern sind.

Jeder Industriebetrieb stellt Produkte aus den drei Elementarfaktoren Material, Personal und Betriebsmittel her. Die Aufgabe der PPS ist es nun, diese Elementarfaktoren terminlich und mengenmäßig zu koordinieren. Die Optimierung einzelner Elemente kann kaum zu einem Optimum führen, da bei einer Optimierung der Beschaffungsteile zum Beispiel vorausgesetzt werden muss, dass Personal- und Maschinenkapazitäten in beliebiger Menge zur Verfügung stehen. Daraus wird erkenntlich, dass es wichtiger ist, die drei Elementarfaktoren gemeinsam zu planen und zu optimieren.

Aus den Aufgaben, die ein PPS-System zu erfüllen hat, lassen sich 5 wichtige Forderungen ableiten:

  1. Simultane Planung der Elementarfaktoren

    Wer zuerst das Material, anschließend die Kapazität und danach die Werkzeuge plant, muss entweder das Material, die Kapazität oder die Werkzeuge im Überfluss planen, weil sonst die sukzessive Planung nur zu Sonderfällen und Eilaufträgen führen würde.

    Man plant also in allen Ressourcen Puffer ein und verlängert so die Durchlaufzeit um ein Vielfaches.

    Sobald andererseits einer der Elementarfaktoren in zu geringer Menge oder zu spät bereitgestellt wird, entstehen bei allen anderen Elementarfaktoren Gemeinkosten (Brach-, Liege- und Wartezeiten). Es kommt im Industriebetrieb weniger darauf an, dass die Planung eines Faktors mit großer Genauigkeit erfolgt – vielmehr ist es wichtig, jederzeit das Zusammenspiel planerisch zu erfassen. In jeder Planungs- und Steuerungsphase müssen Material und Kapazität gleichzeitig geplant und überwacht werden.
     

  1. Grundprinzip der knappen Mengenplanung

    Sobald einer der Elementarfaktoren in zu hoher Menge oder zu früh verfügbar ist, entstehen ebenfalls vermeidbare Gemeinkosten. Ein PPS-System muss also aufzeigen, welche Elementarfaktoren in zu großer Menge eingeplant werden.
     

  1. Grundprinzip der knappen Terminplanung

    Ungenauigkeiten in der Mengenplanung können durch kleine Sicherheitsreserven aufgefangen werden. Terminliche Ungenauigkeiten dagegen verlängern die Durchlaufzeit. Just-
    In-Time ist hier das Schlagwort. Die Terminabweichung eines Arbeitsgangs kann sich auf alle noch nicht bearbeiteten Arbeitsgänge und Baugruppen eines Kundenauftragsnetzes auswirken. Eine Terminabweichung hat viel krassere Konsequenzen als eine Verbrauchsabweichung und muss somit bei einem PPS-System mit Vorrang behandelt werden. Wer seinen Informationsfluss straffen will, muss möglichst knapp planen. Alle Puffer verzögern den Güter- und Informationsfluss.
     

  1. Echtzeitplanung

    Im kommerziellen Bereich ist unter Echtzeitplanung zu verstehen, dass Ereignisse in ihren direkten und indirekten Folgen möglichst zeitnah verbucht werden. Es genügt nicht, einen Auftrag im Dialog zu stornieren; auch die anderen Aufträge, die jetzt vorgezogen werden können, müssen möglichst zeitnah umterminiert werden, was bedeutet, dass die PPS-Datenbank stets aktuelle Daten enthält. Batchläufe reichen dazu schon nicht mehr aus.
     

  1. Abteilungsübergreifende Planung

    Ziel ist es, dass alle Abteilungen zeitgleich ihren Auftrag erledigen können. Wenn jeder wartet, bis er an der Reihe ist, ist die Verweilzeit riesig.

    Hier sieht man den Vorteil, wenn alle Daten an jedem Arbeitsplatz verfügbar sind, und somit die Auftragsbearbeitung gestrafft und möglichst parallelisiert werden kann.
     

Befragungen unter PPS-Anwendern haben bestätigt, dass die Verringerung der Durchlaufzeit, die Reduzierung der Lagerbestände, die Steigerung der Termintreue und eine Verbesserung der Kapazitätsauslastung zu den wichtigsten Zielen gezählt werden. Diese vier Ziele stehen auch im engsten Zusammenhang, da die Änderung einer Zielsetzung Einfluss auf alle Größen hat. Diese Bereiche müssen also gemeinsam geplant und ein individuelles Gleichgewicht festgelegt werden.

Zur EDV-gestützten Produktionsplanung und -steuerung gibt es in naher Zukunft keine Alternative. Der Markt fordert von den europäischen Unternehmen hohe Variantenvielfalt, kurze Lieferzeiten, ständige Produktinnovationen und hohe Produktqualität. Das führt zu immer größerem Datenvolumen und zu erhöhtem Planungs- und Steuerungsaufwand.
 

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