Grundlagen von ERP-Systemen

Grundlagen von ERP-Systemen

Warum „Enterprise Resource Planning“ (ERP)?

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich im Laufe er Zeit verändert und Unternehmen müssen heutzutage neue Herausforderungen – wie die Globalisierung des Wettbewerbes, die immer kürzer werdenden Innovationszyklen und den verstärkten Kostendruck – bewältigen um ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Dies bedeutet, dass Unternehmen sowohl eine Optimierung aller Geschäftsabläufe entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Business Re-Engineering) als auch eine Optimierung des unternehmensweiten Informations-managements mittels modernen Datenverarbeitungstechnologien (Technology Re-Engineering) vornehmen müssen. Im Idealfall kann ein ERP-System – eine Software-lösung für die Steuerung von betrieblichen Geschäftsprozessen – den kompletten Geschäftsbetrieb einer Unternehmung unterstützen, indem es eine integrierte Handhabung aller Geschäftsprozesse, Daten, Funktionen und Benutzerinteraktionen in wichtigen Bereichen wie Rechnungswesen, Logistik, Personalwesen etc. ermöglicht (vgl. IT-Wissen 2006a). Unternehmen setzen ERP-Systeme also im alltäglichen Geschäftsbetrieb ein, um die vorhandenen Ressourcen optimal planen, verwalten und delegieren zu können (vgl. Abts & Mülder 2002).

Entwicklung von ERP-Systemen

Die Integration (G) von Informationssystemen erfolgte in mehreren Phasen. In den 1960er und 19670er Jahren wurden zunächst einzelne Funktionen (z.B. Lagerbestandsführung, Fakturierung (G)) automatisiert. Ab 1980 erfolgte eine Ausdehnung auf gesamte betriebswirtschaftliche Hauptbereiche, wie Einkauf und Produktion. In den 1990er Jahren vollzog sich schließlich ein Wandel von funktionsorientierter Betrachtung hin zu einer ablauforientierten Betrachtung. Nicht mehr die Funktionsbereiche standen im Mittelpunkt sondern funktionsbereichs-übergreifende Geschäftsprozesse. Die Anwendungen wurden entlang inner-betrieblicher Geschäftsprozesse integriert, was durch datenbankbasierte ERP-Standardsoftware ermöglicht wurde. Seit 2000 gewinnt die Vernetzung von Betrieben und die Automatisierung von betriebsübergreifenden Prozessen an Bedeutung, welche u.a. durch die Nutzung des Internets (bspw. Internet-Portale) unterstützt werden (E-Business-Lösungen (G)). Der nächste große Integrations-Schritt wird die Vernetzung der gesamten Wirtschaft sein. (vgl. Hansen & Neumann 2005.)

Was ist ein ERP-System?

„Unter ERP (...) versteht man ein aus mehreren Komponenten bestehendes integriertes Anwendungspaket, das die operativen Prozesse in allen wesentlichen betrieblichen Funktionsbereichen unterstützt (Finanz- und Rechnungswesen, Personalwirtschaft, Materialwirtschaft (G), Produktion, Vertrieb). Die Integration wird dabei von einer zentralen Datenbank (G) getragen, wodurch Datenredundanzen vermieden und integrierte Geschäftsprozesse ermöglicht werden“ (Hansen & Neumann 2005, S.528).

Die obige Darstellung verdeutlicht die Stellung von ERP-Systemen als betriebliche Informationssysteme (G). ERP-Systeme bestehen aus komplexer Anwendungssoftware (G) und sind eine Erweiterung des Produktionsplanungs- und Steuerungssystems. Sie dienen zur Darstellung, Optimierung und Unterstützung der innerbetrieblichen Geschäftsprozesse (Leistungserstellungsprozesse, Austauschprozesse) einer Unternehmung. Beispielsweise kann der gesamte Prozess der Planung und Ausführung von Fertigungsaufträgen – Angebotserstellung, Beschaffung, Lager-haltung, Material- und Ressourcenplanung – unterstützt werden (vgl. Abts & Mülder 2002).

- Ziele
Die allgemeine Ziele, die mit der Einführung eines ERP-Systems realisiert werden sollen, sind:
• „Optimierung der betriebswirtschaftlichen Ressourcenplanung unter verschiedenen Randbedingungen,
• Integration der wichtigen Geschäftsprozesse in ein Gesamtsystem
• Bearbeitung der gesamten Bandbreite betriebswirtschaftlicher Fragestellungen in einem Unternehmen“ (Werth & Walter 2006, S.10).

- Aufgabenkategorien und Einsatzbereiche
Um die oben genannten Ziele zu erreichen, sollten ERP-Systeme zentrale Aufgaben und Einsatzbereiche abdecken, welche die nachfolgende Darstellung verdeutlicht.

Zunehmend liegt der Schwerpunkt von betrieblicher Anwendungssoftware (G) auf der Vernetzung von Betrieben und der Automatisierung von betriebsübergreifenden Prozessen. Ein „E-Business-System“ unterstützt Transaktionen mit „Dritten“, wie gewerblichen und privaten Kunden oder Lieferanten, die meist durch die Nutzung des Internets erfolgen. Das ERP-System kann als Kern eines E-Business (G) Systems bezeichnet werden, wobei die Abgrenzung nicht ganz eindeutig ist, da ERP-Systeme schon lange Beschaffungs- und Vertriebsprozesse zu Lieferanten und Kunden unterstützen. (vgl. Hansen & Neumann 2005).

- Integration (G)
Ein wesentliches Merkmal von ERP-Systemen ist die Integration. Grundsätzlich kann man ein System als „integriert“ bezeichnen, wenn
• „die Geschäftsprozesse und die sie unterstützenden Informationsprozesse umfassend aufeinander abgestimmt sind,
• die Verbindung zwischen einzelnen Programmen weitestgehend automatisiert sind und
• die Daten frühzeitig erfasst und für alle Programme gemeinsam unter zentraler Verwaltung (Datenbanksystem (G)) gespeichert sind“ (Werth & Walter 2006, S.4)

ERP-Systeme integrieren also unterschiedliche Funktionen, wobei der Integrationsumfang mindestens durch gemeinsame Datenhaltung (Datenbanksystem (G)) erfolgt. Die organisatorische Integration wird durch die Abbildung von Geschäftsprozessen über Abteilungsgrenzen hinweg gewährleistet. (vgl. Gronau & Andresen 2006)

Aufbau von ERP-Systemen

Die nachfolgende Darstellung zeigt die typischen Komponenten eines E-Business (G) Systems.

Die Abbildung soll verdeutlichen, dass ein ERP-System den Kern eines E-Business Systems darstellt und nur um marktorientierte Komponenten erweitert wird.

In einer Datenbank wird die Sammlung von Daten organisiert (gespeichert, formatiert, verwaltet, etc.), die einem zentralen Zweck dienen. Sie dient als Speicherungsgrundlage für alle Komponenten des ERP-Systems. Das Datenbanksystem (G)- auch Datenbankmanagementsystem genannt – ist eine Software, welche „die Organisation und die Speicherung, das Auffinden, die Sicherheit und die Integrität der Daten in einer Datenbank“ steuert (vgl. IT-Wissen 2006b). So werden Datenredundanzen (das mehrfache Speichern von Daten) und Dateninkonsistenzen (widersprüchliche oder fehlerhafte Daten) vermieden.

Das Basissystem schafft die Infrastruktur für die Anwendungskomponenten eines ERP-Systems, realisiert die Schnittstellen zur Datenbank und der Benutzeroberfläche (G) und enthält Funktionen zur zentralen Steuerung und Administration (Benutzerverwaltung, Schnittstellen zum Betriebssystem, Funktionen für zur individuellen Anpassung des Systems, etc.) (vgl. Hansen & Neumann 2005).

ERP-Systeme können unterschiedliche Anwendungskomponenten enthalten. Beispiele für wichtige Anwendungskomponenten sind Finanz- und Rechnungswesen, Personalwirtschaft, Materialwirtschaft (G), Produktion oder Vertrieb.

Quellenverzeichnis

- Abts, D., Mülder, W. (2002), Grundkurs Wirtschaftsinformatik. 4. Auflage, Braunschweig: Vieweg.

- Gronau, N., Andresen, K. (2006), Enterprise Resource Planning, Universität Potsdam.
Online im Internet: Link (06-12-23)

- Hansen, H., Neumann, G. (2005), Wirtschaftsinformatik. 9.Auflage. Stuttgart: Lucius & Lucius UTB.

- Werth, D., Walter, P. (2006), Enterprise Ressource Planning.
Online im Internet: Link (06-12-23)

- IT-Wissen Lexikon (2006a), Definition ERP.
Online im Internet: Link (06-12-23)

- IT-Wissen Lexikon (2006b), Definition Datenbankmanagement System.
Online im Internet: Link (06-12-23)

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